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Hoher Atlas, Marrakech und ein kleines Stück Sahara
 

Walter, Martin, Klaus und Michael Larcher, Markus "Stratos" Pfohl

1. Tag: Anreise
Flug von München nach Agadir. Noch am Flughafen übernehmen wir unser Mietauto, einen Toyota Land Cruiser, und starten gegen Mittag Richtung Imlil, dem Ausgangspunkt für unsere Skitouren im Hohen Atlas.
Über Taroudannt, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, erreichen wir in kurvenreicher Fahrt den Tizi-n-Test Pass, 2100 m, der einen großartigen Blick auf den Antiatlas und zurück in das Soustal freigibt. Bei der Weiterfahrt durch das Asnital besichtigen wir die 1125 erbaute almohadische Moschee Tin-Mal bei Mzouzite. Wir sind die einzigen Besucher dieser Ruine, die auch von Nichtmoslems betreten werden darf.
Die Nacht verbringen wir in einem kleinen aber noblen, offensichtlich neu angelegten, Hotel mit Chalets, ca. 80 km vor Asni.

2. Tag: Imlil und Aufstieg zur Neltner Hütte
Über Asni erreichen wir das Berberdorf Imlil, 1740 m hoch gelegen und der wichtigste Ausgangspunkt für Touren im Toubkal National Park. Hier treffen wir Brahim Toudaoui, laut seiner Visitenkarte "Guide de Montagne", der für uns die Vorbereitungen vor Ort veranlasst hat: Reservierung auf der Hütte, Einkauf der Verpflegung, Gepäcktransport zur Hütte, Organisation eines Kochs. Brahim stellt uns Ibrahim vor, der unsere Tragtiere anführen und uns in den Tagen auf der Neltner-Hütte bekochen wird. Froh über die wiedererlangte Bewegungs­freiheit beginnen wir am frühen Nachmittag mit leichtem Gepäck den ca. 5-stündigen Anstieg.
Die Neltner Hütte liegt bereits auf einer Höhe von 3207 Meter, gehört der Sektion Casablanca des CAF (Club Alpin Francais) und wurde 1999 neu errichtet. Ein sehr fähiger Hüttenwart, managt diese Unterkunft, die, wie er uns erzählte, inzwischen das ganze Jahr über geöffnet ist. Ostalpinen Hütten-Standard sollte man allerdings nicht erwarten. Duschen, Toiletten, Schlafräume verbreiten eher Substandard-Feeling.
Völlig anders organisiert als in den Alpen ist hier auch die Verköstigung. Man bestellt nicht sein Essen, sondern jede Gruppe wird von ihrem "Guide" speziell bekocht und bewirtet. Und jede Gruppe ist auch für den Transport der Nahrungsmittel selbst verantwortlich. Mit den Koch­künsten von Ibrahim sind wir jedenfalls sehr zufrieden, wenngleich die Menge meistens für eine zweimal so große Gruppe reichen würde.

3. Tag: Afella, 4015 m
Unser erstes Tourenziel führt uns auf einen Viertausender am Ounanoukrim-Kamm, jene in nordöstlicher Richtung verlaufende Bergkette, die neben dem Toubkal-Massiv die wichtigsten Touren­ziele im Bereich der Neltner Hütte aufweist. Wir sind auch einigermaßen erleichtert über die Schneelage, die trotz des schneearmen Winters, auch jetzt im April noch immer eine geschlossene Schneedecke bis zur Hütte aufweist.  Dennoch gehören wir mit unserer Skitouren­ausrüstung bereits zu einer Minderheit unter den Bergsteigern vor Ort.
Beim Anstieg zur Afella ist bis ca. 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels unschwierig. Für den Gipfelanstieg - eine ca. 40 steile, gefrorene Firnflanke, die nach unten in steiles fels­durch­setztes Gelände abfällt, entscheiden wir uns dann doch für Steigeisen, Gurte und Seilsicherung.

4. Tag: Djebel Toubkal, 4176 m
Der Toubkal, mit seinen 4176 Metern, der höchste Berg des Atlasgebirges und damit der höchste Berg Nordafrikas, ist die Hauptattraktion der Region und auch Namensgeber für den Nationalpark. Dass der Toubkal keine nennenswerten technischen Schwierigkeiten aufweist - deutlich weniger als zB ein Großglockner - macht ihn auch für Bergwanderer zu einem begehrten Ziel. Auch das erklärt den Massenansturm.
Bereits am Vortag zeigte sich, dass die Sonneneinstrahlung aufgrund des Windes und auch zwischenzeitlich immer wieder aufziehender Bewölkung erst gegen Nachmittag den ersehnten Firn bzw. Sulzschnee schafft. Wir verlassen daher die Hütte relativ spät, erst gegen 8 Uhr. Wenn man eine "Schlüsselstelle" beim Anstieg finden will, dann bildet diese der erste Steilhang, den man knapp eine halbe Stunde nach Verlassen der Hütte diagonal ansteigend begeht, um in das Hochtal zu gelangen, das zur Toubkal-Scharte führt. Dieser knapp 40° steile Hang kann Steigeisen erfordern und wird von den meisten Gruppen auch mit Steigeisen begangen. Unterwegs mit Skiern sind Harscheisen unbedingt zu empfehlen.
Auf der Toubkal-Scharte lassen wir unser Skier zurück und erreichen über Geröll und kurze Firnpassagen eine Stunde später den Gipfel.
Da die Firnbildung noch immer auf sich warten lässt, ersteigen wir anschließend noch den Toubkal-Westgipfel, bevor wir zur Neltner-Hütte abfahren.

5. Tag: Akioud, 4010 m, Ras 4083 m
Der erste Teil des Anstiegs führt uns, wie zwei Tage zuvor, durch das Mizane Tal, allerdings weiter nach hinten, um dann wiederum in westlicher Richtung auf den Ounanoukrim-Kamm zu gelangen. Ein Steilhang, der oben in ein schmales Couloir mündet, das direkt zum Gipfel­grat führt, vermittelt den direktesten Anstieg. Wegen der Enge und der Steilheit des Couloirs, tragen wir hier die Skier am Rucksack. Der Einsatz von Steigeisen ist aufgrund der Schnee­beschaffenheit nicht notwendig. Nach Erreichen des Akioud verfolgen wir den Ounanoukrim-Kamm weiter nach Südosten und erreichen nach kurzem Ab- und Wieder­anstieg den Gipfel des Ras, 4083 m. Die Abfahrt von diesem Gipfel ist im oberen Teil aufgrund des harten, ca. einen halben Meter tiefen Büßerschnees, extrem unangenehm. Zudem müssen wir zweimal die Skier über Felsen tragen, um schlussendlich über eine steile Rinne wieder ins Mizanetal zu gelangen, das dann doch noch mit einigen Hängen "Afrikafirn" entschädigt.
                                                                              
6. Tag: Clochetons, 3963 m, Abstieg nach Imlil
Klaus und Vater sind gesundheitlich angeschlagen, also brechen wir heute zu dritt auf. Von der Hütte in horizontaler Querung an die orografische linke Talseite erreichen wir bereits nach 15 Minuten eine Rinne, die in einem Zug - 800 Höhenmeter - hinauf auf den Ounanoukrim-Kamm führt. Die Scharte erreichen wir, ohne dass wir die Skier abschnallen müssen. Der Weiterweg zum Gipfel bietet Kombigelände mit weinigen Passagen im dritten Grad, dazwischen Firn und Blockgelände. Wir bilden hier eine Dreierseilschaft und erreichen knapp eine Stunde später den Gipfel.
Nebel und Wolken, die uns bereits beim Gipfelanstieg umgaben, verdichten sich zunehmend und deuten auf eine Wetterverschlechterung hin. Die Abfahrt wird dann trotz der Sicht­verhältnisse zur schönsten dieser Tage. Klaus und Vater, die dann doch noch ein Stück unserer Spur folgten, treffen wir auf der Hütte.

Als wir für den Abstieg ins Tal bereit sind, schneit es in dichten Flocken und bis Imlil wechseln Regenfälle mit kurzen Pausen in rascher Folge. Wir sind diese Nacht Gäste bei Brahim, unserem "Manager", in seinem Haus ca. eine halbe Gehstunde außerhalb von Imlil.
Die Abrechnung seiner Leistungen schafft dann ziemlichen Unmut, da Brahim eine völlig überzogenen Preis nennt und uns bewusst wird, dass wir einen Kardinalfehler im Umgang mit marokkanischen "Managern" gemacht haben, indem wir uns bei der Frage nach den Kosten stets mit allgemeinen Hinweisen auf "friendly and fair price" zufrieden gegeben haben.

Eine gute Idee vertreibt dann aber rasch den kurzen Ärger: Wir lassen die gesamte Skiaus­rüstung bei Brahim, der uns diese zum vereinbarten Zeitpunkt in ein Hotel nach Agadir liefert. Die weitere Reise, zu fünft in einem Geländeauto ohne Dachträger,  wird damit deutlich entspannter.

 7. Tag: Marrakech
Marrakech, die nach Casablanca größte Metropole Marokkos, liegt nur etwa 65 km nördlich von Imlil und ist rasch erreicht. Unser Hôtel de Foucauld liegt in unmittelbarer Nähe des wohl berühmtesten Platzes dieser Stadt, des "Place Djemaa El Fna" ("Platz der Toten"), der uns für mehrere Stunden gefangen nimmt.

8. Tag: Ounila-Tal, Ait-Ben-Haddou
Wir verlassen Marrakech in südöstlicher Richtung und erreichen den Tizi-n-Tichka, den mit 2260 m höchsten Pass im Atlasgebirge, der den Übergang zu Marrokkos Süden bildet. Wir verlassen hier die Hauptroute und wählen den Weg über Telouet und Anmiter in das Ounila-Tal. Hier kann unser Auto zum ersten Mal seine Geländetauglichkeit unter Beweis stellen. Gegen Abend erreichen wir Ait-Ben-Haddou.
Ait-Ben-Haddou ist ein "Ksar" ein befestigtes Dorf, etwa 30 km von Quarzazate entfernt. Das Dorf besteht aus mehreren ineinander verschachtelten "Kasbahs", in traditioneller Lehmbau­weise errichteten Wohnburgen. Bekannt wurde Aït-Ben-Haddou durch seine Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO im Jahre 1987 und als Filmkulisse.

9. Tag: Quarzazate, Zagora; Mhamid
Weiterfahrt nach Südosten - über Quarzazate und durch das Draatal nach Zagora und dann weiter nach Mhamid, dem letzten Ort vor der Sahara.
Wir lernen hier den Chef von Mhamid-Travel kennen und übernachten in seiner neu errichteten Bungalowanlage, ca. eine halbe Autostunde außerhalb von Mhamid und inmitten kleine Sanddünen gelegen.
Nach nicht nur erfreulichen Erfahrungen mit diesem aufstrebenden Unternehmer mieten wir schlussendlich bei ihm ein zweites Geländefahrzeug für unsere geplante Durchquerung der Cheggaga-Wüste. Das beste an diesem Deal: Das zweite Fahrzeug wird von Ahmed gefahren, einem stillen und charismatischen Marokkaner, der uns in den nächsten zwei Tagen ans Herz wachsen wird.

10 Tag: Cheggaga-Wüste
Über Sand- und Schotterpisten fahren wir nun am nördlichen Rand der Sahara Richtung Westen und erreichen am Nachmittag die größte Sanddüne Marokkos. Das Nachtlager und die schönste Nacht dieser Reise verbringen wir noch ein Stück weiter, mitten in einer pracht­vollen Sanddünenlandschaft.

11. Tag: Foum-Zquid, Tata
Nach einem weiteren halben Tag Wüstenfahrt verabschieden wir uns von Ahmed, der wieder nach Mhamid zurückfährt. Wir haben bald darauf wieder Asphalt unter den Rädern und erreichen Foum-Zquid und anschließend Tata, "das Tor zur Sahara". Hier versammelten und formierten sich einst die Kamelkarawanen bevor sie schließlich nach Timbouktou aufbrachen. Auch heute noch ist Tata Ausgangspunkt von Reisen in oder durch die Sahara.

12. Tag: Tafraoute
Nach einer Nacht im Zelt nahe Tata geht es zunächst über Tagadirt weiter in südwestlicher Richtung bis wir dann die Hauptstraße in nördlicher Richtung verlassen. Nach einer sehr eindrucksvollen Fahrt durch die Tazougart-Schlucht erreichen wir gegen Abend Tafraoute.
Zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung zählen Felsformationen wie der Chapeau de Napoléon und auch die "Blauen Steine" des Künstlers Jean Vérame, der riesige, von der Erosion rundgeschliffene Felsbrocken mit leuchtend bunten Farben angemalt hat.

13. Tag: Atlantikküste
Wir verlassen Tafraoute mit einigen Teppichen und Schmuckgegenständen reicher, die am Vortag in zähen Verhandlungen günstig (?) erstandenen wurden. In Tiznit wenden wir uns noch einmal gen Süden nach Guelmin und erreichen am Abend bei Ifni die Atlantikküste.

14. Tag: Agadir
Entlang der Küstenstraße nach Agadir.

15. Tag: Heimreise
Rückflug über Marrakech nach München.

Michael Larcher

     

 

Last update: 27.08.2011 Kontakt: info@karwendler.at
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