Bei der alljährlichen Kletterfahrt der Bergrettung Hall nahmen heuer auch zwei Karwendler Teil. Per Billigflieger Wind Jet ging es von Verona nach Palermo, wo wir etwas verdreckte allerdings tadellos fahrbare Kleinwagen ausfassten. Grob 100 km westwärts warteten bereits unsere Bungalows im Camping El Bahira, wo wir spät nachts noch für unsere ausgetrockneten Kehlen ein Bier ergattern konnten und von unseren englischen Nachbarn mit einem freundlichen „shut up“ begrüßt wurden.
In den folgenden Tagen wurden sämtliche genialen Klettergebiete in der Umgebung von San Vito lo Capo heimgesucht. Direkt hinter dem Campingplatz erstreckt sich eine ca. 3 km lange und 40 m hohe Kalkmauer in der bereits fleißig Linien gebohrt wurden aber noch massenhaft Potenzial schlummert. Am Monte Monaco gibt es exzellente Mehrseillängentouren, die mit schneidigem Hakenabstand auf ambitionierte Kletterer warten. Auch hier gibt es noch Linien die erschlossen werden möchten. Am Wandfuß entlang zieht sich ein wunderschöner Klettergarten, der durch die nordseitige Lage lange Schutz vor der gleißenden Sonne bietet. Hier staunten wir nicht schlecht, als wir plötzlich einen Zillertaler fluchen hörten: Üwe Eder mit Freundin Christine.
In allen Gebieten ist der Fels rau bis messerscharf, senkrecht bis überhängend, mit Konkretionen oder Sintern geschmückt und generell menschenleer. Man klettert auf senkrechten, extrem wasserzerfressenen Platten, deren feine Strukturen mühelos durch Haut und Kleidung schneiden und manchmal auch unter den Sohlen brechen („Glasscherbenplatten“), oder in Überhängen mit gewaltigen Henkeln. Die Orientierung ist zwar nicht immer einfach, da der Führer nicht sauber überarbeitet erscheint und daher alle möglichen Fehler auftreten: Im Fels gibt es Touren, die das schlaue Buch nicht erwähnt und umgekehrt, links und rechts sind meistens sowieso vertauscht und die Bewertungsvorschläge sind inkonsistent. 6c kann unkletterbar oder auch Gehgelände sein. Wenig erbaulich sind auch die Zustiege, in denen Distelsafari und Brombeer-6er sich abwechseln. Darin lauern der gemeine Beißwurm und die sizilianische Monsterzecke.
Doch spätestens beim Bier an der Strandbar, herrlichen Antipasti und den schönen Ausblicken auf das türkis-blaue Meer und auf die wohlgeformten gebräunten Rundungen sizilianischer Strandschönheiten sind die Zustiegsqualen und die schmerzenden Finger vergessen und es bleiben die Eindrücke der wunderschönen Züge an diffizilen Platten und athletischen Überhängen.
Rainer Prinz, Andreas Prinz, Christian Mauracher, Matthias Schwarz, Helmut Demetz, Günter Valtingojer, Werner Valtingojer, Johannes Cech, Thomas Aichner
Abgehakte Touren (ganz oder teilweise):
Monte Monaco:
I Mari del Sud, 7b, 300 m
Cous Cous Fest, 6b, 80 m
Pinelsa, 6a+, 120 m
La Collina dei Conigli, 6b+, 160 m
Pizzo Monaco
Parole al Vento, 6b+/c, 150 m
L’Abito non fa il Monaco, 6b, 260 m
?, 6a+, 100 m
Pace di Chiostro, 5a, 180 m
Zahlreiche Baseclimbs zwischen 5c und 7b. |