Lange Kletterhose oder nicht, das war die Frage an dem sich wunderschön ankündigenden Klettersonntag. Ein nahezu wolkenloser Himmel lässt ein ordentliches Schwitzen erwarten. Noch dazu in einer SO-gerichteten Route. Und dennoch beharrt Peter auf seiner langen Hose. Allein aus Solidarität schließe ich mich seiner Entscheidung an und man möchte es nicht glauben, schon bald beginnt es im Gewölk mächtig zu quellen. Ein frischer Nordwind kommt auf und bläst uns, je höher wir kommen gewaltig um die Ohren. Ich denke an den ORF-Wetterbericht: „Ein schöner, heißer Sommertag erwartet uns und lädt zum Baden ein!“
Nach dem sehr genussreichen Vorbau mit 4 SL bis VII- beginnt die Zitterpartie. Nicht nur auf Grund der Schwierigkeiten, sondern besonders wegen der immer unerträglicher werdenden Kälte. Nur langsam quält sich Peter die anhaltend schwierigen Seillängen nach oben, während ich versuche durch Schattenboxen oder Armkreisen nicht völlig auszukühlen. Aber vergeblich, es beginnt ein ausgeprägtes Zähneklappern und Ganzkörperzittern. Im Nachstieg kämpfe ich mich Meter für Meter nach oben, mit tauben Fingern werden die spärlichen Haken gnadenlos gewürgt. Wie hat das Peter nur gemacht, bis auf den Überhang im VIII Grad kletterte er alles sauber frei und ich weiß nicht, wie ich trotz Hakenhilfe, weiter kommen soll. Aber wie überall im Leben geht auch das vorbei und nach den 5 schwierigen SL mündet unsere Tour in die direkte SO-Kante. Die letzten beiden SL im V+ können wir, wie zum Hohn, im sonnig warmen Fels genießen, denn der Wind ist wie abgeschaltet und die Sonne zwängt sich zwischen den Wolken hindurch. Macht nichts, denn der Abstieg durch Abseilen ist im Sonnenschein auch schön.
Beim Abstieg schauen wir noch des öfteren zurück und freuen uns über die geglückte Tour, denn leicht war die nicht, noch dazu bei den Verhältnissen.
Und wie üblich endet der Tag auf der Mitterfeldalm bei den traditionellen Nußstangerl mit Kaffee.
Walter |