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Tennengebirge/ Werfener Hochthron, „Prechtplatten“, VII+, ( VII/Ao)

 

Die Prechtplatten umgeben ein gewisser Hauch des Unbezwingbaren. Ehrfürchtig liest man im AV-Führer die Schwierigkeit VI+/Ao, vielleicht auch schwerer!. Worte vom Erstbegeher Albert Precht, der ja für seine Untertreibung und vor allem seine karge Absicherung bekannt ist. Gerade deshalb steht diese Tour schon lange auf meiner Wunschliste. Für Peter kein Problem, hat er diese doch schon vor 10 Jahren begangen und eine Sanierung wurde ebenfalls durchgeführt. Also, nichts wie ran an den Speck.
Doch was ist das! In der Früh leichter Nieselregen. Ein kurzer Anruf bei meinem Schwager Michael ( ambitionierter Meteorologe) bereinigt die Sachlage. Es sei nur eine schwache Warmfront, die in 2 Stunden vorüber ist und der aufkommende Fön wird das Wetter zurück halten. Peter ist skeptisch, aber letztendlich stimmt die Vorhersage auf die Stunde genau. Ein hoch auf die Meteorologen!
Im leichten Regen geht es in Richtung Werfener-Hütte. Ich sehe schon ständig blaue Streifen am Himmel und Peter schimpft über meinen Zweckoptimismus. Ohne viel Diskussion seilt er sich an und startet mit kalten Fingern in die 1. SL. Doch schon nach den 1. Metern merkt er, dass er vor 10 Jahren etwas besser beisammen war. Mit VI+ zieht die erste leicht brüchige Rissverschneidung nach oben und am Ende darf man sich mit ordentlichem Seilzug durch die anschließenden schweren Platten suchen. Man spürt förmlich seine Angst und die Anstrengung, doch irgendwie findet er einen Stand und sichert mich nach. Ein Quergang mit VII+ zieht nach links. Anfängliche Ratlosigkeit weicht einem „einfach drauf los-Klettern“ an nahezu nicht vorhandenen Strukturen und ich muss gestehen, die letzten Meter gelingen nur mittels Seilzug. Die folgende 40 Meter-Länge geht wieder an Peter. Durchgehend im VII° kämpft er sich verbissen nach oben und im Nachstieg muss ich ihm meinen Respekt aussprechen, denn mit nur 5 Zwischensicherungen, 4 davon schwindlig, war das wirklich eine Meisterleistung. Die folgende VII+-Länge geht wieder an mich, doch zum Glück kann ich mich mit einem Schlingenstand an einem sehr dubiosem Haken über diese Stelle mogeln. Peter schaffts natürlich frei.
Am nun folgenden Schichtband können wir uns kurz erholen, bevor es wieder brutal wird. Nach einem kurzen Quergang ( sehr schwer, aber mit Seilgeländer entschärft) geht es wieder im VII° 40 Meter nach oben. Peter gibt alles was er drauf hat. Nur langsam gleitet das Seil durch meine Hände und innerlich steigt eine leichte Nervosität in mir auf, ob das wohl gut geht. Dann das erleichternde „Stand“ Rufen. Jetzt geht’s auf, jede Muskelfaser ist angespannt und die Zehenspitzen drohen abzubrechen, doch irgendwie erreiche auch ich den Stand. Nun wird’s leichter. Nur noch 2 SL mit VI+, aber auch diese fordern nochmals vollsten Einsatz.
Endlich am Grat zittern wir noch ganz leicht von der Anstrengung und der Anspannung. Eine echte Prechttour eben.
Den vermuteten Schnellabstieg finden wir nicht und so müssen wir den Abstieg über den Gipfel antreten.
Bei der Heimfahrt ist uns klar, dass wir für solche abenteuerlichen Touren womöglich gar nicht mehr so geeignet sind, aber toll war es trotzdem.

Walter                                                                                               

Tourendatum: 17.9.2011

     
   

 

 

Last update: 23.01.2012 Kontakt: info@karwendler.at
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