Das kann doch nicht wahr sein. Mitte November und noch immer bestes Kletterwetter. Alpin und nicht zu hoch lautet die Devise. Somit ist der Untersberg das Idealziel.
Auf bekanntem Weg geht es mit zahlreichen Klettersteiggehern in Richtung Scheibenkaseralm und weiter zu den S und W-Wänden. Knapp vor dem Einstieg können wir noch 2 junge Pongauer überholen, welche das Selbe Ziel anstreben. Unsere Ortskenntnis verschafft den nötigen Vorsprung und schon bald geht es die 1. SL hinauf. Etwas brüchig aber gut abgesichert mühe ich mich im VI- nach oben. Schon ist Peter dran. Die Schlüsselseillänge klettert er wie gewohnt sauber rotpunkt und mit dicken Unterarmen darf ich die Führung wieder übernehmen. Obwohl nur VI, pfeift sie ordentlich nach oben. Aber es ist ein perfekter Fels, durch Wasserbearbeitung tlw. schön rauh, dann aber auch wieder glatt, auf alle Fälle jedoch anstrengend. Nun darf Peter wieder ran. Teilweise mit dynamischen Klimmzügen, dann wieder im Balletttanz arbeitet er sich nach oben.
Inzwischen hat die Pongauer Seilschaft zu mir aufgeschlossen. Nette Burschen, doch das sehr steile Ambiente scheint nicht ganz ihr Lieblingsrevier zu sein. Sie wünschen sich die Hochkönigplatten herbei.
Nachkommen klingt es von oben und nun zieht es wieder gewaltig steil nach oben. Der eine oder andere Haken muss herhalten, primär zum Rasten, denn der Fels wäre griffig. Die letzte VII-er Länge fällt an mich und obwohl auch hier ein wenig Technik herhalten muss ist das Klettern einfach phantastisch. So etwas Steiles, fast ständig überhängend und doch griffig, findet man selten. Den Ausstieg mit VI- würden wir eher mit VI/VI+ bewerten, aber die Tour ist uns sicher.
Fast unvermittelt steht man danach am Plateau und über das Stöhrhaus geht es durch den Dolienenlochabstieg in einer halben Std. zurück zu unseren Rucksäcken.
Vom Plateaurand können wir die beiden jungen Kletterer in den letzten beiden SL noch beobachten und sind erneut von der Steilheit der Wand begeistert.
Walter
Tourendatum, 12.11.2011 |