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Stempeljochspitze

 

Weihnachten ist natürlich die Zeit der Familienbesuche und so konnte ich mit meiner Familie einige schöne Tage in Aldrans bei meinen Schwiegereltern verbringen. Um jedoch die Nerven meiner Schwiegereltern und meine nicht allzu sehr zu strapazieren musste das Familienleben durch Schitouren unterbrochen werden. Da ich jedoch als Salzburger weit vom Schuss des tiroler Tourenzirkus bin, nutzte ich gnadenlos die Chance aus, mich unserem Karwendler-Vize anzuschließen, um eine schöne Tour zu absolvieren. Ich kannte den Schinner Andi ja nur sehr flüchtig, aber schon bald war mit klar, es handelt sich hier um einen Freak unter den Tourengehern. Offensichtlich weiß er um sämtliche Tiroler Schneeverhältnisse bescheid und lädt mich praktisch in sein Wohnzimmer, dem Halltal, ein. Als grobes Ziel wird nur die Richtung, gegen Westen, angegeben. Der Rest würde sich nach Schneesituation und Menschenaufkommen richten.
Nur ein einziges Mal bemerke ich bei Ihm Nervosität an diesem Tag, nämlich, als am Parkplatz um 7.30 vier weitere Autos  stehen. Aber diese legt sich rasch, als auch sein Freund Toni eintrifft welcher aber nach einem Nachtdienst noch etwas blass um die Nase ist.
So ziehen wir also los, plaudernd, lachend und freuend auf das Kommende.
Ich liebe einfach dieses Gehen im erwachenden Tag. Gold-orange leuchten die in der aufgehenden Sonne strahlenden Gipfel. Andi geht förmlich über vor Erzählungen, wo er hier schon überall war und in den nächsten Tagen hier sein wird. Die Rinnen, Scharten und Törle sagen mir wenig, aber es ist eine Freude, dieser Begeisterung zuzuhören. Nur Toni wird irgendwie leiser. Die Nasenblässe geht in eine makellose Gesichtsblässe über, geschmückt durch feinste Schweißperlen, doch Andi kennt ihn gut und ist der Überzeugung, der packt das schon.
Nach ca. 1 Stunde sehen wir nun offensichtlich unser Ziel. Das Stempeljoch weist nur wenige Abfahrtsspuren auf und die Schneeverhältnisse könnten nicht besser sein. 20 cm Pulver auf sehr guter Unterlage  lassen Freude aufkommen. Nur einen Satz habe ich im Aufstieg nicht verstanden, als wir  2 Jungtiroler überholten:“ Du hast es leicht! Der Junge ziagt die ja aufi!“  Naja, auch ich werde nicht jünger und Andi marschiert wirklich ein super Tempo.
Das Kar steilt zunehmend auf, aber das Gehen ist ein Traum und wird nur durch den Übergang vom Schatten in den nun gleisenden SSO-Hang auf die Stempeljochspitze übertroffen.  Ich kann mich gar nicht satt sehen an dem Meer von Zacken, Türmen, Karen und Tälern und schon bald sehen wir das Gipfelkreuz mit der Abschlusswächte.
Begeistert drücke ich Andi die Hand, doch schon bald muss ich leider die Abfahrt antreten, denn meine Kinder wollen ebenfalls noch mit mir Schifahren gehen. Im feuchten Pulver geht es genussvoll hinunter und ich treffe den Toni. Andi wird mit ihm nochmals aufsteigen und ich darf im schattigen Kar dem Tal entgegen schweben. Im Wettrennen mit Rodlern geht es das Halltal hinaus und um Punkt 12 Uhr stehe ich bei meiner Familie parat. Was für ein Tag! Da könnte sogar das Tourengehen wieder Spaß machen.  

Walter                                                                       

Tourendatum: 28.12.2011

     

 

Last update: 08.05.2012 Kontakt: info@karwendler.at
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