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Hasse Brandler, Locker vom Hocker, Pumprisse, Knapp Köchler 2006

 

Gerhard Fiegel war erst 15 Jahre alt als ich ihn in Tumpen im Ötztal kennen lernte, wo er meistens mit seinem Rad am Klettergarten vorbeikam, boulderte, oder mit seinem Freund Klemens kletterte.
Da ich auch öfters alleine dort war lernten wir uns besser kennen und kletterten viele Routen gemeinsam. Ein Jahr verging und als wir uns wieder einmal trafen fragte er mich, ob ich ihn einmal ins Wetterstein mitnehme. Unsere erste gemeinsame alpine Tour war die Knapp-Köchler an der Schüsselkarspitze. Na ja so hat es angefangen, es sind jetzt 2 Jahre vergangen, er war 17 und ich halt 60 als er letzten Sommer zu mir sagte: „Der Locker vom Hocker“ würde mich schon reizen. Ich war natürlich sofort begeistert von seiner Idee, stand diese Route doch schon lange auf meiner Wunschliste. Sie zählt heute noch zu den schwierigsten Routen an der Schüsselkar-Südwand. Wolfgang Güllich und Kurt Albert waren 1981 die Erstbegeher.
Am 22.7.06 war es dann so weit und wir standen am Einstieg. Wir waren uns einig, dass Gerhard vorsteigt. Ich kannte ihn in der Zwischenzeit und wusste, dass er nicht nur im Klettergarten sondern auch im alpinen Gelände gut klettert. Er nahm die erste Seillänge in Angriff und setzte nach ca. 5m den ersten Klemmkeil. Ich dachte mir: hoffentlich hält der und pass auf. Je weiter er oben war, desto ruhiger werde ich denn in der Zwischenzeit hatte er auch einen gut platzierten Friend gelegt. Endlich nach 45m rief er Stand. Nun war ich an der Reihe. Bis zur Hälfte geht alles gut nur dann war ein Klemmkeil sehr fest im Riss und ich musste mich kurz ins Seil hängen um ihn heraus zu bekommen. Geschafft, eigentlich war ich zufrieden und hatte mir die Kraft gut eingeteilt. Es folgten 2 kürzere Seillängen die nicht so schön waren. Die nächste sah ziemlich zahnig aus. Es ging vom Stand weg ca. 6-7 Meter über eine glatte Platte hinauf bis zum ersten Bohrhaken. Dazwischen war nur ein Riss wo Gerhard einen Keil platzierte. Auch diese Seillänge hatten wir bald hinter uns und das Gelände wurde leichter wo wir uns dann mit der Führung auch abwechselten. Nach ca. 4 Stunden standen wir am Gipfelgrat und freuten uns gemeinsam über die schöne Tour.
Da Gerhard Ferien hatte und das Wetter gut war starteten wir am 16.8. in den Wilden Kaiser; unser Ziel die Pumprisse am Fleischbankpfeiler. 1977 erstbegangen von Helmut Keine und Reinhard Karl. Es war die erste Tour im 7. Schwierigkeitsgrad. Auch sie gilt bis heute als eine der schweren Klettertouren im Wilden Kaiser und muss selbst abgesichert werden. Der breite Riss der mehrere Seillängen hinauf zieht fordert für den Seil-Ersten sehr viel Mut und es müssen lange Sicherungsabstände in Kauf genommen werden. Die Eintragungen im Wandbuch (5-6 Begehungen) in den letzten 2 Jahren zeigen, dass diese Tour immer noch großen Respekt bei vielen Kletterern aufweist und keine Modetour geworden ist. 2 Seillängen noch und wir hatten es geschafft. Anschließend kletterten wir den Nordgrat ab und sind bald wieder auf der Grießenauer Alm wo mir das Bier besonders gut schmeckt.
Bevor die Ferien vorbei sind fahren wir noch zu den 3 Zinnen. Unser Ziel: die Große Zinne Nord Wand „Hasse Brandler“. Sie wurde bereits 1958 von Dieter Hasse und Lothar Brandler in mehreren Tagen erstbegangen. Bekannt wurde sie auch wieder als Alex Huber diese Free Solo beging. Am 23.8.06 steigen wir um 7Uhr ein und sind außer einer Seilschaft in der Cominci die einzigen. Ohne größere Schwierigkeiten kommen wir bis zur großen schwarzen Riss-Verschneidung. Schon von unten sahen wir, dass sie nass ist und Gerhard muss den Versuch sie frei zu begehen aufgeben und manchmal einen Haken zur Fortbewegung benutzen. Ich muss mir bei jeder Seillänge die Kräfte gut einteilen, denn die Route wird je weiter wir nach oben kommen immer schwerer und ich bin jedes Mal froh wenn ich mich am Stand wieder etwas ausruhen kann. Endlich kommen wir in die Sonne; wir wissen es ist nicht mehr weit und das Gelände wird leichter. Nach 22 Seillängen und 10 Std. Kletterzeit stehen wir oben und schütteln uns die Hände. Ein großer Traum, ein wunderschöner Sommer geht zu Ende und 3 Touren wovon ich immer geträumt habe wurden mir geschenkt, lieber Gott danke dir für die schönen Stunden die ich nie vergessen werde.  

Rudi Estmeister

     
     

 

 

Last update: 13.05.2011 Kontakt: info@karwendler.at
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