Im September 1961 eröffnen vier italienische Kletterer eine neue Linie am Piz Ciavazes. Mit 5/A2 bewerten sie die Route und taufen sie „Via Italia“. Als „… spektakuläres Technodenkmal, ...“ wird die Route im aktuellen Führer beschrieben.
Viele Seilschaften würgen sich dann in den darauf folgenden Jahren über die Hakenrassel hinauf, wenngleich die Route im Laufe der Zeit zunehmend in Vergessenheit gerät. Im Sommer 2004 holt dann der italienische Spitzenkletterer Mauro Bubu Bole die Route aus ihrem Dornröschenschlaf. Ihm gelingt die erste Rotpunkt Begehung. Mit 8a bewertet er die Crux. Eine Seillänge erreicht den Grad 7c+. Dazu kommen noch zwei Längen im Grad 7a und ebenso viel im Grad 6a.
Bei seinem ersten Besuch wird ihm klar, auf was er sich da eingelassen hat. Gelber Fels, extrem steil und jede Menge Normalhaken, die eher unter die Rubrik „Rostgurken“ einzustufen sind. In den Schlüsselstellen gelingt ihm an diesem Tag nicht viel, dennoch wird er wiederkommen. Schwierigkeitsgrad 8a in einem 5 Meter ausladenden Dach mit gut 120 m Luft unterm Arsch gepaart mit der dazugehörigen Absicherung reizt Hansjörg besonders.
Am 10. Oktober war es dann soweit. Die 7c+ gelingt Hansjörg dann gleich im ersten Versuch. Die 8a Seillänge reagiert dagegen etwas widerspenstiger. Das erste Mal sieht er die Tritte wieder einmal nicht (trotz seiner „Sehverstärker“), das nächste Mal verabschiedet sich der Hook. Doch endlich im 4. Versuch gelingt ihm der Durchstieg. Ziemlich locker klettert er dann noch die restlichen 2 Seillängen hinauf zum letzten Stand und die durchaus strapazierten Nerven erholen sich wieder. |